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Marcel Krebs

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07. Dezember 2009, 21:12

Ein Herz für Football - Eine Persönlichkeit mit grossen Visionen

Der Bündner Traditionsverein Calanda Broncos, wurden am Samstagabend von einer Meldung überrascht, der nur wenige Glauben schenken wollten und dann viele wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf. Präsident Dr. Walter Tribolet gab seinen Rücktritt auf ende 2010 bekannt. Diese Nachricht schockierte nicht nur einen Grossteil der Anwesenden rund 70 Clubmitglieder, sondern auch die gesamte American Footballgemeinde der Schweiz. Dr. Walter Tribolet lebte den Footballern eine Vision vor, die anscheinend für den Schweizer Football zu weit ging und um Jahre voraus war. (Titelfoto W.Tribolet - Web Tribolet Autocenter - Schweizermeisterfoto Jürgen Gruenwidl)

Brüttisellen, 7.12.09 (mk) Als kurz nach Eröffnung der GV der Präsident das Wort ergriff und seinen Entschluss mitteilte, schauten die Vereinsmitglieder wie gelähmt zum Präsidenten und kniffen sich in die Ohren, ob sie jetzt richtig verstanden hätten. Der Schock sass tief, das Ungläubige hatte Einzug gehalten, die Resignation war anschliessend gross.

Eine Persönlichkeit mit Herz und mit grossen Visionen

Wer Walter Tribolet kennt, der weiss, wenn der Boss was sagt - dann steht er auch dazu. Vielleicht wirkt er in Natura als unnahbar und erhaben, doch das leuchten seiner warmen Augen, strahlt wärme und die grosse Persönlichkeit und Herzlichkeit aus, mit der er als Geschäftsmann und als Sportsmann Verein und Geschäft Türe und Tore öffnet. Sein Herz ist am richtigen Fleck und für American Football hat er eigentlich alles gemacht - und noch ein bisschen mehr. Dr. Walter Tribolet ist halt schlicht der erfolgreiche Jungunternehmer, dem auch vieles missgönt wird und wurde - und bei dem man lieber Niederlagen statt Erfolge gesehen hätte. Walter Tribolet hat aber auch ein geschäftliches wie auch sportliches Fingerspitzengefühl, dass seine Mannschaft zu dem gemacht hat, dass sie am Ende der Saison mit dem Schweizermeister Titel war. Tribolet ist nicht nur Mäzen, Förderer, Geldgeber und Vater des Traditionsvereins Calanda Broncos, Walter Tribolet versprüht auch Kult. Kult der Wege für grosse Visionen öffnet und die er dank seiner grossen finanziellen Unterstützung für den Verein auch verfolgen konnte und weiter vorhatte.

International ist mit Schweizer Verhältnissen nichts auszurichten!

Tribolet hat aber auch gemerkt, dass für internationalen Erfolg und damit zum erreichen seiner Visionen mehr nötig ist, als ein knappes Kader mit nur zwei bis drei Profispielern. Die Spiele in Thonon les Bains und gegen die Parma Truppe im diesjährigen Europacup haben schonungslos die Defizite seiner Mannschaft aufgezeigt. So blieb ihm nichts anderes übrig, als entweder zu investieren um den Anschluss an die europäische Spitze zu finden oder wie er es jetzt macht, den Club auf Schweizer Niveau zu belassen und Träume für Höheres ganz einfach zu begraben. Mit einer Schweizer Durchschnittsmannschaft ist den Spitzenclubs nicht beizukommen. Mit dem Coach Craig James und den überdurchschnittlichen Spielern wie Clavic, den James Brüdern und weiteren Topspielern war der Grundstein gelegt. Doch für Höheres brauchte es noch mehr.

Einsam auf der Strasse des Erfolges

Mitmachen konnte oder wollte niemand in der Schweiz und so tat sich eine immer grössere Betonwand gegen ihn auf. Seine Ideen und Visionen schienen absurd. Ein Bündnergraben - man hatte Angst, dass Spieler abgeworben würden und die besten Amis Imports ins Land geholt würden. Man glaubte, da werde in kurzer Zeit ein Patriarch das Schicksaal des Schweizer American Football in die Hand nehmen. Davor hatte man grosse Angst. Wieso? Tribolet ist einsam auf der Strasse (seines) des Erfolges stehen gelassen worden. Ohne Rückendeckung und Willen für besseres hat er schlussendlich das Handtuch geworfen.

Mit schwerem Herzen

Leicht ist es ihm sicher nicht gefallen zu passen und den Rücktritt bekanntzugeben - dem erfolgreichen Autoverkäufer und Unternehmer aus Chur. Der Entscheid der Nationalliga Delegegiertenversammlung hat ihm aber sicher den Rest gegeben. Vielleicht hat er aber auch zu schnell das Handtuch geworfen - "Schweizer Mühlen mahlen langsam" Und das Visionen überall schwer umzusetzen sind, wäre vielleicht ein weiterer Versuch ein Jahr später vom Erfolg gekrönt gewesen. Schade. Mit Walter Tribolet verschwindet der erste und wahrscheinlich letzte American Football Mäzen der Schweiz. Er wäre bereit gewesen mehr zu investieren - mehr als notwendig. Er hätte mit seinen Ideen und seinen visionsgeprägten Wegen bestimmt die gesamte Schweizer Footballszene weiter gebracht. Doch Dr. Walter Tribolet ist der Footballszene im Moment zu weit voraus.

Ein Stadion mit vielen Besuchern

Wenn die Spiele der Calanda Broncos in Chur stattfinden, spielen die Teams steht's vor voller Zuschauerkulisse. Auch da gehen die Bündner erfolgreiche Wege. Dies wäre ein weiterer Grund gewesen ein bisschen mehr auf Tribolet zu hören. Der Sport lebt bekanntlich von Zuschauern und wo Zuschauer sind, da gibt es bekanntlich auch schnell weitere Aufmerksamkeit in und von der Öffentlichkeit.

Statt Football nun ein neuer Doktortitel

Seine Erfüllung fand Dr.Walter Tribolet neben seinem Autocenter im American Football. Nun soll's ein neuer Doktortitel sein. Walter Tribolet wird seine neue Zukunft genauso mit Herzblut leben wie sein "altes" bisheriges Leben. Sein Herz war Football und man wünscht sich, dass sein Herz weiter für diesen schlägt. Nein ist nicht für immer nein und vielleicht muss die Schweizer Footballszene zuerst lernen mit höheren Aufgaben und Visionen umzugehen.

Marcel Krebs

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