Dienstag, 22. Mai 2012, 07:27:00 Uhr

09. März 2010, 23:28

Glaub an Dich und an Dein Team

Der Amerikaner Bill Ramseyer amtet die zweite Saison als Headcoach in Winterthur. Mit ihm kam eine komplett neue Spielkultur nach Winterthur. Im zweiten Jahr hat sich diese Kultur noch verstärkt und die Warriors sind sozusagen neu auferstanden. Wer den Trainings beiwohnt merkt keinen grossen Unterschied zu amerikanischen Footballschmieden. Wer ein echter Warriors ist, der legt sich in jedem Training voll ins Zeug und das zur Zufriedenheit des schmunzelnden Bill Ramseyer. Ramseyer versteht es den Warriors Spass am Spiel beizubringen.

8.3.2010 Brüttisellen (mk) Weit oben auf dem Heiligberg trainieren die Warriors gleich in zwei Turnhallen. Bei scheusslich kaltem Wetter mit Minustemperaturen, Wind und unter düsterem Licht der alten Strassenlaternen aus den Siebzigern, schritt ich die letzten paar hundert Meter zum Turnhallenkomplex auf dem Berg. Irgendwo schien mir die Welt auf Wiedersehen gesagt zu haben. Anzutreffen war auf dem Weg niemand und auf dem Bergspitz leuchtete schummriges Licht aus einer Villa als sei sie von Dracula persönlich bewohnt.

Die Überraschung war allerdings gross, als ich die heiligen Trainingshallen der Winterthur Warriors betrat. Eine warme herzliche Atmosphäre empfing mich und zog mich in den Bann dieser harten Burschen hier oben in der harten Wirklichkeit des Trainingsalltags. Schnell, präzise und verwegen kämpften die Mannen gegen ihren "Gegner" und gaben alles um besser zu werden.Ran an den Mann und raus aus der eigenen Haut. Ganz im Trend der bevorstehenden Saison, wo Coaches, Spieler und Zuschauer eine gewaltige Steigerung der Teams erwarten, trainieren die Winterthur Warriors und schwitzen, dass die Scheiben dampfen.

Die Warriors sind reifer geworden

Die Spielzüge vermitteln dem Beobachter den Eindruck als seien sie vollends einstudiert und schon nahe der Perfektion. Es wird beim Training kaum geredet, dafür mehr gerannt und mehr für das Team getan. Jeder weiss, auf mich kommt es an, wenn wir Erfolg haben wollen. Die Botschaft des American Football Philosophen, Buchautors und Machers, des Amerikaners mit Schweizer Wurzeln Bill Ramseyer, trägt schon in der Vorbereitung Früchte. Ramseyer ist jetzt die zweite Saison in der ehemaligen Maschinen- und Fabrikstadt an der Töss. Für das Team ein grosses Geschenk, so sagen es jedenfalls die Spieler, der Vorstand und das Publikum. Die Magie des Altstars aus Amerika liegt im Raum und die Spielerkader hören ihm auch aufmerksam zu, lesen ihm seine Wünsche förmlich von den Lippen ab, wenn er den Spielzug noch ein bisschen perfekter haben will und wiederholen diesen immer wieder und immer wieder. Den Headcoach zu beobachten ist wahnsinnig spannend. Dass er einiges drauf hat, merkt man wie er mit den Spielern umgeht. Mal väterlich-mal streng, mal laut und mal leise. Und wer genau hinschaut sieht, dass er in einer auf hohen Niveau tätigen Sprache des Verständnisses und des Respektes spricht. Er weiss mit Menschen umzugehen. Wenn's genug ist ertönt ein schriller Trillerpfiff der das Geübte als gut sein lässt und das nicht Verstandene sofort mit Worten und Facts klarstellt.

Die Warriors sind neu organisiert – Alice Malherbe langjährige Verbandssekretärin ist Teammanager

Das straffe Organigramm auf der tollen Website zeigt auf Anhieb, in Winterthur will man mehr als nur als Durchreicher in der Nati A sein. Im Team übernimmt Alice Malherbe das Amt des Teammanagers. Alice Malherbe kennt sich im Football aus. Jahrelang war sie in der Verbandsspitze tätig. Headcoach Bill Ramseyer hat diese Saison gleich einen mit vielen Auszeichnungen versehenen Defenscoach mitgenommen. Bob Shoup ist ebenfalls eine gestandene Persönlichkeit mit absoluten Ausbildungsfähigkeiten im Defensbereich und grossem Footballhintergrund in Amerika. Das Präsidium um Guido Schlauri mit seinem Team hat die Zeit bis zum Meisterschaftsbeginn glänzend für einen kompleten Neuaufbau genutzt.

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Das Interview mit Bill Ramseyer führte Marcel Krebs mit den Übersetzer aus dem Vorstand Generalsekretär Lorenzo Biasio.

Begegnet man dem Headcoach Bill Ramseyer so kommt gleich ein herzliches Daneschön rüber. Kaum in der Halle kommt er auf mich zugelaufen und fragt: Marcel? Beim Interview gleich nach dem Training gab er offen und frei Auskunft über sich, die Ziele und seine Wünsche mit den Warriors. Ramseyer, dessen Grosseltern aus dem Emmental stammten hat ja bekanntlich Schweizer Wurzeln. Bill Ramseyer ist ein Rechner und hat nicht umsonst den Titel eines Professor der Mathematik. Der Amerikaner blickt auf eine vierzigjährige Footballgeschichte zurück. Seine grosse Erfahrung und seine Kompetenz sind unbestritten. Bill Ramseyer hat gleich eine ganze „Mannschaft“ mitgenommen – die Profispieler warten aber noch auf ihren Spielerpass des Canadischen Verbandes und werden in ca. einer Woche in Winterthur eintreffen.

Sport-heut.ch - Die neue Saison steht vor der Tür und sicher hast auch Du von der neuen Stärke der bevorstehenden Saison gehört. Wie gehst Du damit um und was verlangst Du dabei vom Team?

Bill Ramseyer – Klar weiss ich davon, man muss ja nur einmal in allen Mannschaften die neuen Coaches schauen. Alles gestandene Typen und Persönlichkeiten. Ich bin hier um American Football noch besser in der Schweiz zu machen und dazu kommt mir ein gesteigertes Niveau entgegen. Ich schaue aber von Spiel zu Spiel, von Gegner zu Gegner. Wichtig finde ich in meiner Mannschaft, dass alle positiv denken, ans Team und den Erfolg glauben und eine serjöse Arbeitsethik an den Tag legen.

Sport-heute.ch - Normale sind die amerikanischen Profis die nach Europa kommen Einzelspieler, die meistens überdurchschnittliche Fähigkeiten gegenüber Europäern haben – fügen sich aber kaum in das Mannschaftsgefüge ein. Wird das auch in Winterthur so sein?

Bill Ramseyer – Kaum. Ich verlange von den Profis, dass sie sich in ihre jeweilige Teameinheit komplett einfügen und für das Team da sind. Ihr Können und ihre Stärken sollen vollumfänglich dem Team helfen zu gewinnen. Einzelgänger dulde ich keine.

Sport-heute.ch – Was ist Deine Spielphilosophie?

Bill Ramseyer – Positiv denken, Disziplin – Die Spieler müssen den Erfolg erwarten, nur so können sie auch gewinnen.

Sport-heute.ch – Könntes Du Dir auch vorstellen anderswo in Europa zu arbeiten als in der Schweiz?

Bill Ramseyer – Ich hatte viele Angebote aus verschiedenen europäischen Ländern und Leaguen. Doch ehrlich, kein anderer Ort, kein anderes Land ist so schön wie die Schweiz. Die Berge, die Landschaft – einfach wunderschön. Wenn ich aber in der Schweiz Coache, so respektiere ich auch Team und Spielkultur der Schweizer.

Sport-heute.ch - Wie hast Du die Entscheidung getroffen in der Schweiz zu coachen, alleine oder mit Deiner Frau zusammen?

Bill Ramseyer – Meine Frau hatte da auch einiges mitzureden, wir entscheiden solche Sachen zusammen. Ich war auf dem Weg mit meiner Frau an die Feier der Obamas in Washington DC, als ich den Anruf aus der Schweiz bekam. Ich schaltete mein Empfang auf laut und meine Frau konnte mithören. Als ich gefragt wurde ob ich den überhaupt bereit wäre in die Schweiz zu kommen, hat meine Frau auf dem Beifahrersitz heftig mit dem Kopf genickt und da wusste ich, ich werde dorthin gehen, wo die schönsten Berge sind.

Sport-heute.ch - Was magst Du besonders an der Schweiz?

Bill Ramseyer – Die Menschen, die Schönheit des Landes und.......den Ramseier Apfelsaft!!!
Manuel hat mir auf Weihnachten per Luftfracht einen ganzen Harras in die Staaten geschickt!

Sport-heute.ch – Was ist Dein Lieblingsessen?

Bill Ramseyer – Maccronen mit viel Käse und dazu einen Ramseier Apfelsaft.


Sport-heute.ch – Wie verbringst Du die Freizeit in Winterthur?

Bill Ramseyer – Ich habe viele Freunde und bin ständig eingeladen. Dazu lerne ich das Land noch besser kennen. Meine Frau bäckt aber auch für die gesamte Mannschaft und die vielen Freunde leidenschaftlich gerne amerikanische Cookies und jetzt hat Mary ja noch von Helen Shoup Unterstützung bekommen.

Marcel Krebs (alle Fotos)

Leserkommentare (11) »

Headcoach Bill Ramseyer korrigiert.

Knochendrill und Kondition.

Defense Coach Bob Shoup.

 

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