Dienstag, 22. Mai 2012, 07:33:37 Uhr

18. März 2010, 23:51

Glückspilze auf grünem Teppich

Als andere Teams und Clubs mit ihrem Hallentraining begannen, waren die Bern Grizzlies schon längst stolze Besucher ihres neuen Kunstrasenplatzes, den ihnen die Stadt Bern erstmals im Winter zur Verfügung gestellt hatte. Weit draussen, am Stadtrand von Bern konnten die Grizzlies bei Kälte und bei Schnee ihre Trainingseinheiten absolvieren. "Darüber sind wir sehr glücklich." Meint der zufriedene Präsident Lorenz Wermuth.

17.3.2010 Brüttisellen (mk) Es herrscht keine Hektik auf dem Kunstrasenplatz Weissenstein, an der Stadtgrenze zur Berner Gemeinde Köniz. Dafür sieht man gegen 35 Footballspieler der ersten und weit über vierzig der Juniorenabteilung leidenschaftlich trainieren. Das Herz der Bern Grizzlies spiegelt sich da vom Platz. Sie, die die meisten Neuzugänge aus den eigenen Reihen schöpfen sind überzeugt, dass mit konsequentem Nachwuchs-training genügend Spieler für die erste Mannschaft heran-gezogen werden können.

Der Präsident geht mit klarem Ziel voran

Lorenz Wermuth ist ein Verfechter vom grossen Profitum, dass wir im Moment in der Schweiz haben. Klar, findet er, ein Profispieler als Ausbildner und Leitfigur im Team ist o.k. - was nützen aber unzählige Imports, wenn dann der Nachwuchs oder gewisse Positionen im Team praktisch nie zum spielen kommen? Das Resultat kennen mittlerweile alle, die guten jungen Spieler hören auf oder gehen im besten Fall wo anders hin. Dass muss nicht sein! Somit sind die Bern Grizzlies wohl eines der wenigen Teams, dass sich der Herausforderung mit einer einheimischen Spielergarde stellt. "Wir möchten unseren Spielern eine Perspektive bieten und ihnen die Möglichkeit geben auch ins Spielgeschehen einzugreifen. Schliesslich trainieren die Spieler in ihrer kostbaren Freizeit für unseren Club und haben somit auch Anrecht, zu spielen.

Ein paar Fragen an Wermuth Lorenz Präsident Bern Grizzlies

Sport-heute.ch - Hat sich Dein Wunsch, möglichst viele Spieler vom letztjährigen Kader zu behalten erfüllt?

Lorenz Wermuth - Ja. Der grösste Teil unseres letztjährigen Kaders ist wieder dabei. Nicht zuletzt, hat sich bei uns unsere grosse Investition in die Juniorenarbeit ebenfalls gelohnt. So sehen auch die A-Spieler, dass man bei uns mit Einsatz und Zuverlässigkeit einiges erreichen kann, und nicht auf der Bank sitzen bleiben muss. Wir versuchen den jungen Spielern den Übergang noch etwas einfacher zu machen. Ein gutes Beispiel finde ich bei den Zurich Renegades, die eine zweite Mannschaft ins Leben gerufen haben. So etwas schwebt mir auch vor. Der Punkt ist, den Jungs den Übergang zu ebnen.

Die Renegades gehen gute Wege

Es zeigt aus Erfahrung, dass hier Handlungsbedarf besteht. Für einen Junior ist das eine komplett neue Football Welt - an der schon vielerorts die Jungs gescheitert sind. Wir sind mit Hochdruck an dieser Lösung und hoffen bereits im Herbst, mit der zweiten Mannschaft einige Spiele machen zu können. Ich denke da an Spiele mit Genf oder Luzern, die unseren Jungs gute Möglichkeiten bieten können.

Beide genannten Teams setzen ja diese Saison aus. Ehrlich gesagt muss ich aber sagen, im Moment haben wir nicht genug Leute um zwei Mannschaften parallel laufen zu lassen. Im Moment sind das knapp zwei Mannschaften. Wenn wir jetzt die Junioren raufnehmen könnten, würde es dann fürs erste reichen. So hätten sie dann Möglichkeiten ihre ersten Sporen auf höherem Niveau abzuverdienen.

Es macht ja wenig Sinn, wenn Neue kommen und dann wieder gehen - sie hören auf, weil sie nicht einfach sofort in das erste Team integriert werden können. So auch keine Spielpraxis erhalten und - ohne Spiel kein Ziel! Mit dem Beispiel von den Renegades können wir in der Zukunft einiges bieten.

Sport-heute.ch - Im Gegensatz zu anderen Teams geht ihr sehr bescheiden mit dem engagieren von Profis vor, hat das seinen Grund?

Lorenz Wermuth - Ja, das stimmt. John White unser neuer QB ist im Moment der Einzige. Wer lassen uns aber die Option offen noch einen Profispieler dazu zu holen. Mehr wollen wir nicht, den dass ist nicht unser Konzept.

Finanziell könnten wir ohne weiteres mithalten, wir sind Schuldenfrei, doch wir wollen einfach bis zum geht nicht mehr mit amerikanischen Spielern aufrüsten. Da kommen wir dann zum gesagten Punkt, wo der gute Spielerstamm nicht mehr zum Einsatz kommt, und ende Saison seine Ausrüstung in die Aare wirft oder sich einen anderen Club sucht. Ich bin überzeugt, dass dies einigen Clubs in Zukunft passieren wird.

Wenn man bedenkt, wir hatten letzte Saison am wenigsten Punkte doch mit unserer Defense hatten wir die Beste der ganzen Liga. Wenn wir das Passspiel in den Griff bekommen, so sollten wir da mitreden können. Unser damaliger Profispieler war zudem fast die ganze Saison verletzt und somit spielten wir mit Ausnahmen nur mit unserem Amateuerteam.

Ich sage aber nochmals ganz ehrlich:" Ich bewundere was Zürich im Moment macht und bin überzeugt, dass dies der richtige Weg ist. Das Angebot an anderen Sportarten ist in der Stadt so gross, dass die Jungs, können wir sie nicht einsetzen etwas anderes suchen. Und dies ist doch schade."

Sport-heute.ch - Wermuth, bist Du nicht erschrocken als Du gehört hast, wie alle aufrüsten?

Lorenz Wermuth - Natürlich. Bei den einen Mannschaften hat man dies kommen sehen, Basel hat doch ein bisschen überrascht. Klar, Amerikanische Coaches sind die beste Investition die man machen kann, da bin ich auch dabei.

Wir bei den Grizzlies haben ja diese Erfahrung bereits gemacht. Wir wurden 1995-96 Meister und 1997 Vizemeister. Am Schluss der Saison verliess uns dann die halbe Mannschaft, ja sogar 80% der Leistungsträger haben aufgehört und wir standen ausserdem mit 40'000.-- Sfr. Schulden da - nach all den wilden Jahren mit vielen Imports.
Wir haben Glück gehabt, dass unser Schuldner ein ehemaliger unseres Clubs war. Es hätte auch anders kommen können. Ohne diese grosse Unterstützung des Freundes hätten wir es alleine nicht mehr auf die Reihe gekriegt.

Es gibt natürlich auch noch andere Beispiele, wie die der damaligen Vipers oder der damaligen Meanmachine etc. Immer war es das gleiche Schicksaal, dass die Mannschaften einholte. Viele Imports, die eigenen Leute spielen wenig oder sitzen auf der Bank .......

Sport-heute.ch - Wo trägt ihr Eure Spiele aus?

Lorenz Wermuth - Unser Heimstadion wird wohl die Schönau bleiben. Für ein gutes und schönes Stadion erhält man von den Behörden als Footballer wenig Kredit. Doch wir tragen sicher ein zwei Spiele im schönen Wankdorf Leichtathletik Stadion aus. Dazu organisieren wir ja nach dem Zuschlag durch den Verband, die Swiss Bowl und haben bereits dieses Stadion gebucht.

Leserkommentare (30) »

John White - der neue American Footballlehrer in der Bundesstadt.

 

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