Mittwoch, 23. Mai 2012, 04:37:05 Uhr

01. Juli 2011, 17:11

Einst unter den Letzten - Heute unter den Besten

Das Gastgeberland Oesterreich hat 2001, nach dem grossen Debakel des Senior Nationalteams noch mal ganz von vorne angefangen. Man baute das Team von den damaligen Junioren der Clubs komplet neu auf. Man verzichtete auf teure Einkäufe, Einbürgerungen und Altem Schnick, Schnack und zählte von nun an auf die Jugend. Mit Erfolg, wie man heute sieht. Europa ist fest in oesterreichischer Clubhand und Teams wie die Raiffeisen Vienna Vikings oder der Eurobowl und Austriabowlsieger Swarco Raiders aus dem Tirol sind Namen, die im europäischen Football nicht mehr wegzudenken sind. Titelfoto Herbert Kratky.(C)

Zürich, 1.7.11 mk (mk) Die Investition in die Jugend hat sich gelohnt. Innert fünf Jahren wurde aus dem Nichts wieder eine schlagkräftige Nationalmannschaft, die sich bis heute immer weiter entwickelt hat. Man schaffte bw. den Aufstieg in die A-Gruppe ohne Gastgeberlandbonus, sondern innert kurzer Zeit, aus eigener Hand.

Beispiel für die Schweiz

Das vorbildliche oesterreichische Muster, könnte grosses Beispiel für die Schweiz sein. Dazu bräuchte es nicht einmal grosse Eingriffe. Das Nationalteam ist im Moment sowieso auf Eis gelegt und ein Neubeginn in den Juniorenabteilungen käme einem neuen Projekt nur gelegen. Gute Trainer gibt es genügend und wieso nicht einem ausgebildeten mit modernsten Trainingsmethoden ausgestatteten Coaches mit internationaler Erfahrung das Vertrauen schenken? Sicher könnten hier auch die Teamcoaches aller Clubs mithelfen, aus der momentanen Schweizer Situation eine Europäische zu machen. Dazu braucht es allerdings grossen Mut, Verständnis, Respekt und offenes Denken, denken, das weit über ein Clubdenken hinausgeht.

Oesterreich lebt Football

Wenn in Oesterreich zum Spiel der Nationalmannschaft über 10.000 Zuschauer ins Stadion kommen, dann hat man wirklich den Erfolg erarbeitet. Es hat sich gelohnt. Dabei hat man grösstenteils auch in den Clubs auf klingende Namen verzichtet und den Jungs die Chance gegeben, sich selber hochzuarbeiten. Das Einzige, dass man ihnen mit in die Footballwiege gelegt hat, ist einen qualifizierten guten Trainerstab, der sie mit Begeisterung, durch die ersten Jahre ihres American Football Daseins führt und ein zusätzliches Angebot, das ihnen in der Schule hilft und dazu Möglichkeiten, die ihrer Freizeit zusätzlich einen Sinn geben.

Die Jungs mit viel Selbstvertrauen
Spricht man mit einigen der Jungs, so ist es für sie selbstverständlich wie nach dem Spiel in den Mac zu gehen, dass sie nur an den Sieg denken. Verliert man dennoch ein Spiel, so ist bereits das Nächste da, um zu gewinnen. Das Selbstvertrauen, das ich persönlich von den jungen Spielern im Mac Donalds in Wien erfahren habe, hat sogar mich überrascht. American Football ist für sie eine Berufung, neben dieser Berufung aber auch in Schule und später im Beruf einen guten Job zu machen. American Football gehört in ihr Leben, die Philosophie dazu! Alles haben sie in ihrem Club von klein an gelernt. Vor grossen Namen haben sie überhaupt keine Angst, sie kämpfen für ihr Team, für ihre Gemeinschaft und für den Sieg.

Der Lohn an der diesjährigen WM

Für viele der Jungs geht dieses Jahr ein grosser Traum in Erfüllung. Sie dürfen vor einheimischer Kulisse gegen die besten Teams der Welt spielen. Vor gut fünf Jaren haben sie nur geträumt davon, heute ist es Wirklichkeit. Das Träume war werden können, haben sie mit eiserner Disziplin, grossem Willen und viel Entbehrung geschafft.

Die oesterreichischen Jungs können Vorbild sein, für einen Neuanfang in der Schweiz. Der oesterreichische Weg ist einer von vielen Wegen. Doch er ist ein erfolgreicher. Wünschen wir auch unseren talentierten Junioren, die es in allen Teams in der Schweiz gibt, auch eine solche Chance, sie hätten es verdient.

Ich freue mich jedenfalls in Graz die Jungs aus Wien im rot-weissen Nationalteam zu sehen. Wenn sie auf dem Feld stehen, die Hymnen gespielt werden, werde auch ich auf sie stolz sein und ein Tränchen wird über meine Wangen rollen. Ein bisschen Wehmut wird mich dennoch beschleichen, wieso können wir das in der Schweiz, bei uns nicht auch so machen?

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Foto Herbert Kratky (C)