Freitag, 26. Mai 2017, 16:50:04 Uhr

11. Dezember 2013, 22:38

Märchentraum im Dezember

Die Cheerleaders der Calanda Broncos

Die Wälder rings ums Städtchen waren schon tief verschneit und nicht weit abseits des weihnachtlichen Rummels waren die Hirsche und Rehlein schon ganz nah ans Dorf gekommen. Sie wussten, es werden Heu und andere Köstlichkeiten bereitstehen. Im tiefen Wald sah man bereits die einzelnen Spuren der Tiere. Dazwischen zeichneten sich die Fussabdrücke von schweren Schuhen ab. Wer stapfte da wohl durch den Wald? Es war ganz einfach Weihnachtszeit wenn auch erst Vorweihnachtszeit. Alle waren gut gelaunt im Dorf und der Bürgermeister spendierte grosszügig Punsch und Tee. Die Dorffrauen wollten in nichts nachstehen und brachten die feinen Weihnachtszöpfe die sie gebacken hatten, zum Dorfplatz.

Zürich, 10.1.13 mk Die Kinder schrieben lustige bunte Plakate und die älteren Kinder und die jugendlichen sangen zusammen Weihnachtslieder. Alles stimmte im Dorf, alle waren glücklich, glücklich, weil hier jeder für jeden durchs Feuer ging, niemand vor Neid erblasste und jeder, jedem alles gönnte. Da gab es noch eine Jugendgruppe, die munter tanzte, Akrobatik Kunststücke vollführte und mit ihren tollen Pyramiden stündlich in der Weihnachtszeit am Abend die Dorfbewohner begeisterten. Es waren ausschliesslich Mädchen, junge Frauen, die hart an sich arbeiteten und zusammen drei Mal in der Woche für ihren grossen Traum alles gaben, dem Traum, den sie für ihr grosses Ziel die Meisterschaft lebten. Sie wollten in naher Zukunft zu den Besten ihres Sportes gehören. Doch ebenso dazu war ihnen die Gemeinschaft, das Zusammensein und am grossen Traum gemeinsam zu arbeiten um schlussendlich die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt hatten.

Ein weiter Weg und eine tolle Aufgabe

So machten sich im vorweihnächtlich geschmückten Dorf 25 Mädchen zusammen mit ihrem Coach Jessi auf die lange Reise durch die tief verschneite Schweiz am Elsass entlang, dann an der schönen Loreley vorbei bis an das Ziel im Städtchen Koblenz am Rhein. 7 Stunden im vom Weihnachtsmann Werner gesteuerten Car. Tolle Stimmung mit lustigen Vorträgen und von Herzen gesungenen Liedern verkürzten die nächtliche Fahrt und machten die Reise nach einem Gourmetbesuch bei McDonnalds, zum Kurztrip. Ramona , Anabela , Angelina, Ines, Denise, Sarah, Sara, Shelly, Svenja, Sabrina, Simona, Cindy, Yvonne, Adela, Livia, Desiree von den Seniors und die Juniors: Pia, Joelle, Melanie,Lea, Natalie,Manuela,Cedrine, Nadja, Michelle, Aaliyah, Shakira, Marion und dazu 15 mitgereiste Mütter und Fans füllten den Luxusliner, bis auf den letzten Platz.

Eine vielleicht ein bisschen verrückte Truppe, mochten die Leute auf der Strasse denken, egal, sie waren einfach zauberhaft. Eine vielleicht etwas besondere Sportgruppe und eine herzliche Cheerleader-Gemeinschaft waren sie in Wirklichkeit, die herzlichen Mädels aus dem verschneiten Bündnerland. Sie strahlten alles aus, das was er so liebte, Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Zuversicht. Das tat gut, gut für die Seele, gut für das Gemüt, dachte dabei der Weihnachtsmann für sich. Er schmunzelte. Wie lange ist es her, dass ich so eine fröhliche Gesellschaft durch den winterlichen Verkehr steuern durfte. Er dachte dabei fast schwermütig an Emil und Sascha seine beiden Elche, die er schweren Herzens im Stall lassen musste.

Die Reise ins fast 600 Kilometer entfernte Koblenz wäre doch zu schwer für sie gewesen. Und eben, ein Schlitten hätte nicht gereicht um 25 Mädchen und ihre Fans nach Koblenz zu bringen. Aber die beiden Elche hatten es ja in der Zwischenzeit gut bei seiner Frau, seinen Kindern und der Zauberfee, die jeden Tag in seiner Abwesenheit vorbeischaute. Er sah glücklich aus, der Weihnachtsmann vorne im Bus.

Der 40-Tönner den er steuerte schwebte jetzt fast über die Autobahn. Das Gesicht des Weihnachtsmannes drückte dabei die Zufriedenheit aus, die vielen Menschen im Alltag heute so fehlte. Ja, ja murmelte er vor sich hin. Güte und Zuversicht und eine Handvoll Selbstvertrauen, gespickt mit viel Liebe und Charme. Warum muss jeder so dem Geld nachrennen, wo es doch auch mit weniger geht, wieso muss jeder nur für sich schauen, wo es doch so viele traurige, arme und hilflose Menschen im Land gibt. Dabei ist es doch gleich, wo das ist, Hauptsache ist, dass man ihnen hilft. Sie unterstützt, ihnen wie man im Volksmund so sagt unter die Arme greift, ja das wäre Nächstenliebe.

Er gab einen schweren Seufzer ab. Er wusste, die vielen Mädchen die hinter ihm sassen gehörten zu den tausend Feen, von denen er immer träumte. Träumte? Ja, er träumte davon, dass diese wundervollen Geschöpfe ihn, den Werner bei seiner Tätigkeit unterstützten, im Dorf zusammen mit ihm, den Schwächeren halfen und den Armen unter die Arme griffen. Ein Lächeln genügte dabei ja auch schon. Ein gutes zureden. Ein Händedruck, ich mag dich. Ein Zeichen, wir sind auch da, wir helfen dir wenn es nicht mehr weiter geht. Und wenn er in die Gesichter der überglücklichen Mädchen schaute da wusste er erst recht, ja, sie sind es.

Es war schon lange still im Bus, Autobahn um Autobahnkilometer rollte der Luxusliner Kilometer um Kilometer ab und endlich tauchten die Lichter der bereits im Schlaf liegenden Stadt Koblenz auf. Es blinzelte von allen Seiten aus den Sitzen hervor. Sind wir da? Ja? Hellwach war von einem Augenblick zum anderen die verschlafene müde Gesellschaft. Während es immer lauter und lauter wurde hinter Werners Rücken, schaute der Weihnachtsmann hoch zum Himmel und glaubte eine zauberhafte Fee zu entdecken, die ihm mit dem Zauberstab die letzten Meter zum Hotel wies, sie kreiste im leuchtenden Sternenmeer in allen Farben über dem Ziel.

Tausend Sterne funkelten und als sei es ein Feuerwerk stand das Hotel im hellsten Licht. Werner rieb sich die Augen, hab ich geträumt? Doch im nächsten Augenblick wusste er es wieder, Feen konnten nur wirkliche Eingeweihte sehen. So einer wie er, der Weihnachtsmann. Verwundert schauten ihn die Mädchen an. Sie schauten in sein glückliches Gesicht, in seine leuchtenden Augen. Danke für die Fahrt Wei...., wollte eine sagen und sie wusste überhaupt nicht wieso sie dem Werner jetzt Weihnachtsmann sagen wollte. Sie wurde ganz Rot und stieg hastig aus. "Jetzt sind wir beim Weihnachtsmann!" rief eine der herzlichen Mädchen übermütig. Werner zuckte beim Wort Weihnachtsmann nochmals zusammen, wieso wusste die, dass er der Weihnachtsmann war? Blödsinn, konnte die ja überhaupt nicht wissen. Aber eben man weiss nie, wenn man mit solchen Engeln ausfährt kann schon allerhand passieren.

Während die bunte Schar der Mädchen in die Hotelhalle stürmte und gleich ihre Zimmerschlüssel zugesteckt bekamen, parkte Werner noch seinen Liner fachgerecht in eine Parklücke die als einzige übrig geblieben war. Es war ihm wichtig in Gedanken, seinen Gedanken, noch ein bisschen draussen zu verweilen. Er schaute hinauf zum Himmel und dankte der Fee, die ihn so sicher ans Ziel geleitet hatte. Er stellte sich vor, wie jetzt seine Frau mit den Kindern in der warmen Stube vor dem Weihnachtsbaum sassen. Emil und Sascha waren jetzt sicher traurig im Stall. Bei ihm zu Hause war es halt Tradition, dass man den Weihnachtsbaum schon früh aufstellte.

Beruf ist Beruf. Für ihn waren die verschneiten Dezembertage Lebenselixier. Klar, es waren noch genügend Tage bis zum heiligen Abend und hoffentlich der langersehnten weissen Weihnacht. Er wollt noch viel gutes tun. Den Kindern im Dorf Geschenke verteilen, den Armen ein Mütze und ein paar Handschuhe schenken. Und ja der Kleiderladen im Dorfdreieck, hatte ihm noch die letztjährigen Winterjacken versprochen, die er denen geben wollte, die kein Zuhause mehr hatten. Denen die unter der Brücke am Fluss unten schliefen. Und er wollt, das war sein grösster Wunsch, mit den Mädchen im Bus vor dem grossen Weihnachtsbaum im Dorf singen. Er war ja der Weihnachtsmann, nur wussten es die Mädchen nicht.

Sollte er jetzt morgen in der grossen Turnierhalle sich einfach vor alle hinstellen und sagen: "Ich bin der Weihnachtsmann!" Ui! Das gäbe ein Gelächter in der Halle. Also lassen wir es bleiben, sagte er zu sich. Irgendwie wird es sich schon lösen, das Problem mit dem Singen. Er schaute ein letztes Mal zum Himmel und glaubte das Ave Maria zu hören. Es wird Zeit dass du schlafen gehst, dachte er für sich. Selten so glücklich wie an diesem späten Abend schritt er zum Hotel ging auf sein Zimmer und schlief wie ein Herrgott bis in den Morgen.

Wir kommen!

Der grosse Tag, die grosse Meisterschaft. Schon in aller Frühe um sechs, versammelten sich die Mädchen in Anabela's Zimmer. Es war kein Weltrekordversuch, wie viele Leute ins Zimmer passten, sondern in der Ausnahmesituation ein notwendiges Übel. Jetzt galt es in den nächsten zwei Stunden, die hübschen Gesichter wettkampftauglich zu machen. Die Haare, die von den Mädchen schon im Bus in Stanniolpapier gelegt wurden, galt es nun herauszudrehen und dazu auch noch die Uniformen glatt zu streichen. Wer ist die Schönste im Land? Klingelingeling, und schon war Frühstückszeit und dann mit Vollgas ab wie die Post zur grossen Sporthalle. Die Nervosität stieg. Ein Mal im Jahr sich mit den allerbesten zu messen, das war mehr als nur ein Abenteuer. Es war ganz einfach die grosse Meisterschaft, das grosse Ding. Mit klopfendem Herzen schritten die Juniors zur Halle und das Herz klopfte noch mehr, als sie vor der riesengrossen Bühne standen. Da....Nein! Und die Halle war ausverkauft, schon lange. So viele Leute. Jetzt galt es die letzten Vorbereitungen zu treffen, die letzten Tipps bei den Seniors zu holen und dann.....zu warten.


Die beste Show und eine ganz tolle Darbietung

Wer nun glaubte, dass die Broncos lediglich als Statisten an den Rhein reisten, der hatte sich getäuscht. Ränge in den Top Ten ohne Ausnahme. Das harte Training hatte sich ausbezahlt, die Kinderaugen glänzten, die Seniors jubelten. Und oben, ja ganz oben stand er, der Weihnachtsmann, ganz still und unerkannt und schaute zu. Er freute sich für die 25 Mädchen, seine Feen. Er wusste es ja, die bringen Glück. Und er stellte sich vor als die Mädchen im Scheinwerferlicht standen, dass sie genau diese Darbietung für die Bedürftigen im eigenen Dorf zur Weihnachtszeit machten. Er wünschte es sich sehnlichst.

Sollte er sie nun fragen oder sollte er bei ihrer Rückkehr im Weihnachtsmann-Kostüm im Bus sitzen? Die würden sich sicher totlachen. Er schaute nach oben, wo war gerade jetzt seine Fee? Jetzt bräuchte er ihren Rat. Bald ist heilige Nacht. Zeit bleibt da nicht mehr viel. Die ohrenbetäubende Musik der nächsten Gruppe riss ihn aus seinen Träumen und er war wieder in der Wirklichkeit. 2000 Menschen sahen da zu, tobten, kreischten, ruften und stampften. Wie schön wäre so ein Fest mit allen Menschen im Dorf. Ganz einfach wundervoll. Langsam schritt er wieder zu seinem Bus zurück. Die ohrenbetäubende Musik hatte er längst vergessen. Er sang vor sich hin. Es war ihm gleich. Süsser die Glocken die klingen, alles wo Engelein so singen ....Glocken mit heiligem Klang....

Drinnen in der Halle tobte es weiter, ja es brodelte. Eine riesige Stimmung hatte sich mittlerweile wie ein Feuer entfacht. Die Cheers vom Bündnerland wollten ja auch noch etwas dazu lernen. So verfolgte die Truppe die Veranstaltung bis zum Schluss. Und manch eine der 25 Feen mag dabei gedacht haben, ja, das können wir auch bald. Doch alles geht einmal zu Ende. Bald hiess es Abschied nehmen und sich aufs nächste Mal in einem Jahr wieder zu freuen.

Auf der Fahr zurück war man Müde. Vorne im Bus stand in einem Körbchen ein in Silberpapier eingepackter farbiger Weihnachtsmann. War der vorher schon da, fragten sich viele. Werner wurde von vielen Augen verwundert gemustert. Der muss was besonderes sein, dachten viele. Mit dem grossen Traum noch besser zu werden, absolute meisterliche Spitze zu erreichen, mit diesen Gedanken schliefen die Mädchen ein und träumten vom grossen Erfolg. Vorne lenkte Werner den Bus sicher durch den Abendverkehr und bald schon brummte der Motor gleichmässig auf der Autobahn Richtung Basel vor sich hin.

25 wunderschöne Mädchen und Frauen schliefen friedlich ein, im sich leicht wiegelnden Bus. 25 Feen träumten der Weihnacht entgegen. 25 Frauen wünschten sich Frieden auf Erden, einen wunderschönen Weihnachtsbaum mitten im Dorf und einen Weihnachtsmann der sie unterstützte sich um die vielen Menschen zu kümmern. Und wer zum Bus in die dunkle Nacht hinaus schaute, sah am Himmel oben einen hellen Stern, der dem Bus folgte. Es war der Stern der Erfüllung, der Zufriedenheit und des Glücks. Und irgendwie spürte man bei den Broncos Cheers, wir haben viel erreicht, nicht nur sportlich sondern auch menschlich. Die Freundschaften haben sich gefestigt. Wir sind ein Team das zusammenhält geworden. Und wenn man so still im Bus sitzt denkt im Dezember auch an das nicht mehr allzu weit entfernte Weihnachtsfest. An das Fest der Freude, das Fest der Liebe. Auch wenn vieles übers Jahr hin daneben ging, dass war nicht allzu schlimm. Es sind nur noch ein paar Tage bis zur heiligen Nacht.

Werner strahlte vorn im Bus. Sein Bus war ringsum hell erleuchtet von vielen, vielen farbigen Sternen von Glimmer und Glanz, die Zauberfeen flogen durch die Luft. Gut dass niemand ins Dunkel des Führersessels sah. Der würde sicher denken, der spinnt, was grinst er da vor sich hin. Der Weihnachtsmann war ganz einfach nur glücklich. Er führte 25 Feen nach Hause. Er wusste, es war eine besondere Fee darunter. Er spürte es, er fühlte es. Was ist da so hell erleuchtet? Fragte sie unter der Decke hervor. Spinnst du? Hier ist es Dunkel wie wenn wir Abends in die Trainingshalle gehen und den Lichtschalter suchen, tönte es aus dem gegenüberliegenden Sitz.

Marcel Krebs

Leserkommentare (3) »

 

Weitere Bilder:   [ 1 - 10 ]   [ 11 - 20 ]   [ 21 - 30 ]   [ 31 - 40 ]   [ 41 - 50 ]   [ 51 - 60 ]   [ 61 - 68 ]